Eine knapp 20-jährige schwangere Frau meldet sich bei uns. Sie lebte für einige Wochen im Frauenhaus und konnte vor kurzem eine eigene Wohnung beziehen. Frau K. lebt sozial ziemlich isoliert. Sie hat keine Freund*innen, zu ihrer Herkunftsfamilie besteht seit längerem kein Kontakt mehr. Frau K. hat einen Freund, er ist der Vater des Kindes und gleichzeitig ihre wichtigste und einzige Bezugsperson. Die junge Frau äussert aber, dass er sehr eifersüchtig und kontrollierend sei.

Frau K. hatte aufgrund ihrer familiären und allgemeinen Lebenssituation bis jetzt nicht die Möglichkeit, eine Ausbildung zu absolvieren. Ihr grosses Ziel ist es, eine Ausbildung zur Fachfrau Betreuung (FaBe) abzuschliessen. Früh in ihrem noch jungen Leben war Frau K. auf eigene Füsse gestellt. Sie bekam kaum Unterstützung von zu Hause und hatte bis zum 18. Lebensjahr einen Beistand. Seit Frau K. schwanger ist, hat sich ihre Lebenseinstellung grundlegend verändert. Als werdende Mutter sieht sie einen Sinn und eine Perspektive in ihrem Leben. Sie möchte ihre finanziellen Angelegenheiten bereinigen und sich gesundheitlich vermehrt Sorge tragen. Im Erstgespräch erfassen wir ihre Lebenssituation, ihre Bedürfnisse und Fragestellungen stehen dabei im Mittelpunkt. Der Lebensunterhalt von Frau K. ist durch die wirtschaftliche Sozialhilfe gesichert, der Abbau ihrer Schulden muss geregelt werden.

Nach der Erstberatung sucht Frau K. die Suchtberatungsstelle auf. Sie möchte ihren übermässigen Tabakkonsum so rasch wie möglich reduzieren, damit ihr Baby sich bestens entwickeln kann. Für die Suche nach einer passenden Lehrstelle als Fachfrau Betreuung braucht sie ebenfalls Unterstützung. Sie möchte im Sommer 2020 mit der Ausbildung oder einem Praktikum als FaBe starten. Um möglichst rasch selbständig und verantwortungsbewusst zu leben, informieren wir sie über Unterstützungs­möglichkeiten wie die Wochenbettbetreuung, die Mütter- und Väterberatung, das PAT-Programm («Mit Eltern lernen») und die Mutter-KindBegleitung der Kinder- und Jugendhilfe St.Gallen. Zudem ermöglichen wir den Zugang zum Projekt «Koala» für den kostenlosen Bezug der Erstausstattung für Babys und mit der Kultur-Legi-Karte der Caritas kann sie die Angebote der Stadt St.Gallen und Umgebung vergünstigt nutzen.

Kurz vor der Geburt organisieren wir einen Austausch mit der zuständigen Fachperson der Mutter-Kind-Begleitung. Sie wird Frau K. nach der Geburt des Kindes zweimal wöchentlich aufsuchen und sie in ihrer neuen Aufgabe als Mutter im Alltag unterstützen. Der Kontakt zur Hebamme für die Wochenbettbetreuung und zur PAT-Beraterin ist ebenfalls aufgegleist. Sie blickt nun entspannter und gleichzeitig gespannt der Geburt und der Zeit als vorerst alleinerziehende, gut vernetzte und eingebettete Mutter entgegen.

Esther Hilber
Sozialarbeiterin FH, Sexualpädagogin HSLU

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